Publikum zeigte sich überwältigt

Publikum zeigte sich überwältigt

Konzert des Musikvereins Uelsen

Von Jörg Leune – Emlichheim/Uelsen. Der Musikverein Uelsen unter Helga Hooglands Leitung hat am Samstagabend einmal wieder ein überwältigendes Konzert gegeben. Über 800 Zuhörer erlebten in der ausverkauften Vechtetalhalle einen ganz großen Abend. Abgesehen von den musikalischen Höchstleistungen war auch das Ambiente überaus einprägsam. Die Berliner Künstlergruppe Innerfields hatte eine große Leinwand im Bühnenhintergrund mit einem Sternenreigen bemalt, der an Schinkels bekanntes Bühnenbild für die „Zauberflöte“ von 1816 erinnerte und im Zentrum ein kreativ gestaltetes MVU-Logo trug. Videowände neben der Bühne und die tolle Lichtshow von PAE schufen einen prächtigen Rahmen, der die musikalischen Emotionen zu transportieren half. Lediglich der Verfolger-Spot ließ ein wenig zu wünschen übrig. Wolfgang Kösters führt auf ausgesprochen gekonnte Art in wechselnden Verkleidungen durch das Programm. Eine lesenswerte Festschrift zum Jubiläum lag bereit. Als schon traditionelle Gesangssolisten traten Sarah Bouwers und Gerald Geerink auf. Sarah war eigens für das Konzert aus ihrem Studienort Birmingham eingeflogen, Gerald wäre zeitgleich mit dem Konzert in der bekannten niederländischen TV-Sendung „Una voce particolare“ zu sehen gewesen. Und er ist als Mitglied des Quartetts „Vier gewinnt“ Bundessieger bei „Jugend musiziert“. Man durfte daher schon hohe Erwartungen an den Gesang haben. Aber diese wurden noch übertroffen. Beiden Sängern gelangen mit ihren Beiträgen musikalische Höhepunkte. Das gilt nicht nur für die Gesangstechnik, sondern noch stärker für die dramatische Gestaltung der Musicalmelodien. Besonders gut gelangen hier die Arien und Duette aus „Miss Saigon“. Ruhepunkte in diesem aufregenden Abend setzte Sarah Bouwers in ihren Balladen mit dem Gitarristen Gordie van Wijk. Das auf mittlerweile 70 Musiker angewachsene Orchester (Durchschnittsalter 20 Jahre) hat ja schon immer besonders überzeugt. Und doch schienen sie am Samstagabend besser aufgelegt denn je. Hervorragend agierende Blechbläser, fünf aufmerksame Perkussionisten, beseelte Soli (André Iemhoff) schufen die Voraussetzungen für schönes Gelingen. Auf diese Weise erhielten sogar die stets ein wenig synthetisch anmutenden Musicalmelodien der letzten dreißig Jahre deutlichere Konturen und führten die Sänger zu ihren hohen Leistungen. Höhepunkte des Abends waren der Glenn-Miller Klassiker „Chattanooga Choo-Choo“, der noch schöner swingte als das Original, und die toll inspirierte Hans-Zimmer-Filmmusik zu „Pirates of the Caribbean III“. Hier ergänzten sich die farbige Interpretation durch das Orchester und die Video-Projektion optimal. Gegen Mitternacht verlangte das Publikum eine Wiederholung dieses Prunkstücks des Abends. Auch neue Arrangements waren zu hören. Malte Schiller hatte neben dem Queen-Song „I was born to love you“ die Rammstein-Ballade „Stirb nicht vor mir“ für den Musikverein bearbeitet. Robert Kronemeyer gestaltete sie gemeinsam mit Sarah Bouwers. Und mit dem „Coldplay“-Medley hat der Musikverein den Anschluss an die aktuelle Rock-Pop-Szene hergestellt. Die Standing Ovations des Publikums, Sekunden nach dem Schlussakkord, waren ein deutliches Zeichen für den Erfolg des Abends. Die Bürgergemeinschaft Emlichheim hat mit der reibungslosen Organisation dieses Großereignisses einschließlich des perfekten Caterings gezeigt, was das Ehrenamt in unserer Gesellschaft bedeuten kann. Ein Nachsatz: 2010 feiert der Landkreis sein 125-jähriges Jubiläum. Wer hätte sich wohl 1885 träumen lassen, dass einst eine Frau aus Georgsdorf ein überwiegend jugendliches symphonisches Blasorchester zu solchen musikalischen Höchstleistungen führen würde?

Grafschafter Nachrichten – 6.10.2010

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