Ein echtes Fest für die Sinne

Ein echtes Fest für die Sinne

Jubiläumskonzert des Musikvereins Uelsen mit Gästen

Von Jörg Leune

Uelsen – Über den Aufstieg des Musikvereins Uelsen zu einem symphonischen Blasorchester von beachtlichem Format ist an dieser Stelle schon häufig berichtet worden. Am Samstagabend krönte Helga Hooglands großes Ensemble diese Erfolgsstory mit einem eindrucksvollen Konzert zum zehnjährigen Ju­biläum. Mehrere hundert Zuhörer hatten sich eingefunden Sie waren nur unterzubringen, indem die Wände des Forums geöffnet wurden und zusätzliche Tribünen aufgestellt wurden. Dennoch fanden nicht alle mehr einen Sitzplatz.
Dem festlichen Anlass entsprechend wurde nicht nur ein Programm in gewohnter Qualität dargeboten, sondern der Abend erhielt seine besondere Prägung durch die grandiose Klang- und Lichtregie der Firma PAE. Ermöglicht hatte diese besonderen Showeffekte die großzügige Förderung durch die Grafschalter Sparkassenstiftung. Schon die Ausgangsbeleuchtung mit blauem Schein-werferlicht als Rahmen für den goldenen Widerschein der Pult­lampen verzauberte das Publikum. Immer wechselnde optische Effekte, in der Farbwahl häufig perfekt auf die musikalischen Inhalte abgestimmt, be­gleiteten den Ablauf. Gelegentlich nahm das Licht eigene dramatische Qualität an, so die gekreuzten Flakscheinwerfer zu Beginn der Auszüge aus „Miss Saigon“.
Das Jubiläumskonzert war auch über die Musik hinaus ein Fest für die Sinne. Helga Hoogland dirigierte ihre über 70 Musiker in gewohnt straffer Manier. Dabei gelingt es ihr immer wieder, die Mitwirkenden auch über das offensichtlich vorzüglich Geprobte hinaus für den Augenblick neu zu inspirieren. Viele der Musiker sind gut genug, auch als Solisten zu glänzen. Stellvertretend seien hier genannt: die Oboistin Bettina Schlüter, die Klarinettistin An-ne Veurink, die Saxophonisten Maike Janitschke und Malte Schiller, die Trompeter Gerd Heilemann und Andre Schepers, die Percussionisten Sascha Vennemann und Tim Züwerink und der Blues-Rapper Dirk Jacobs.
Das Programm des Abends enthielt eine ganze Anzahl Titel der neuen CD des Musikvereins. Aber so gut diese technisch ist live hat man noch mehr von der Musik. Und das hegt nicht nur an der Unterstützung durch das farbige Licht. Der „Lord of the Dance“ und die „Jungle Fantasy“ wollen nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden. Weil es sich am Samstag um ein Jubiläumskonzert handelte, konnte der Musikverein auch Gäste begrüßen. Vier Sängerinnen und Sänger musizierten mit den Bläsern zusammen Musicalmelodien. Andreas Ottenberg, Ralf Ludewig , und Bianca Holthuis trugen Szenen aus „Der Glöckner von Notre Dame“, „Les Miserables“ und „Prince of Egypt“ vor. Ihnen allen gelangen hinsichtlich Text interpretation und musikalischer Gestaltung erstaunliche Leistungen. Vor allem Bianca Holthuis‘ Stimme integriert sich wunderschön in den Orchester­klang. Die Palme des Abends unter den Sängern aber gebührt ohne Zweifel Silke Ledebur. Ihre „Miss Saigon“-Duette mit Ralf Ludewig gestaltete sie so dra­matisch, dass es die Zuhörer frösteln ließ. Mehrere Lieder interpretierte sie solistisch mit Andreas Ottenberg am Keyboard. Das waren hinsichtlich Melo­diegestaltung, Stimmumfang und Textphrasierung Hochgenüsse.   Da geriet ein Schmachtfetzen wie „Moon River“ zum Kunstwerk, und als sie „My Way“ beendet hatte, erinnerte man sich nur verschwommen, dass ein gewisser Frank Sinatra diesen Titel auch einmal gesungen hat.
Zu Beginn des Konzertes wurden drei Namen genannt, ohne die der Erfolg des Musikvereins nicht möglich gewesen wäre:
Friedrich Veddeler war Gründungsvorsitzender, der verstorbene Hans Rottmann hat sich in den Anfangsjahren um die Public Relations gekümmert und Heinz-Josef Bausen sorgt bis heute dafür, dass dem Orchester Nachwuchs aus der Musikschule und ihrem Vororchester „Presto“ zugeführt wird. Dieses Jugendorchester hatte den Abend eröffnet und über­zeugend gezeigt, dass Helga Hoogland um die weitere Zukunft des Musikvereins Uelsen nicht bange zu sein braucht

Grafschafter Nachrichten – 28.3.2001

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