Perfekte Klänge vor dem Fest in Emlichheim

Der Musikverein Uelsen begeisterte mit seinem Weihnachtsprogramm vor 900 Zuschauern in Emlichheim. Die große Kuppel der evangelisch-altreformierten Kirche sorgte für eine beeindruckende Kulisse.

Emlichheim Vor rund 900 Zuschauern – nämlich denjenigen, die das Glück hatten, Tickets dafür zu ergattern – spielte die Big Band des Musikvereins Uelsen unter der Leitung von Helga Hoogland am vergangenen Sonnabend zum alljährlichen Weihnachtskonzert auf. Wieder einmal gastierte man in der altreformierten Kirche in Emlichheim, wieder vermittelte deren markant in Pink angestrahlte zeltartige Kuppel die besondere Weihnachtswohlfühlatmosphäre in dem randvoll besetzten Gotteshaus.

Das etwa 60 Mitglieder zählende Ensemble gab sich keine technische Blöße: Perfekt hatte man die anderthalb Dutzend Stücke des Abends einstudiert. Imposant gleich das erste Stück „Fanfare For a New Horizon“ aus der Feder des Österreichers Thomas Doss, dessen musikalische Darbietung die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten eines derartigen Orchesters in seiner ganzen Bandbreite schillernd und brillant vor Augen führte. Denn neben den vielen fanfarenartigen Passagen mit ihren dramatischen Steigerungen, gab es einen ständigen, eingängig gestalteten Wechsel mit besinnlichen, etwa von Klarinetten übernommenen Partien, oft überraschend einsetzend und ihrerseits auf spielerische Weise variantenreich entwickelt, so dass ein vollkommen überzeugender, harmonischer Gesamteindruck entstand.

Es folgten Bearbeitungen verschiedenster weihnachtlicher Lieder bzw. solcher, die auch zur weihnachtlichen Stimmung passten, z.B. aus dem Musical „The Polar Express“, „Winter Wonderland“ oder „Have Yourself a Merry Little Christmas“.

Den Großteil der Moderation übernahm der Tenorsolist Henrik Veldink, bereits zum wiederholten Male Gast des Musikvereins. Wieder sang Veldink auch zu mehreren von Gabor Klink-Spekker umgearbeiteten Arrangements, so erklang etwa das traditionelle Weihnachtslied „Wie soll ich dich empfangen“ nun im Bossa Nova-Rhythmus. Zu vielen von Veldink interpretierten Titeln lieferte er selbst Anekdoten und Hintergrundinfos, etwa zu „I’m Dreaming of a White Christmas“, weltberühmt durch die Interpretation von Bing Crosby, weniger bekannt dagegen wohl, dass dieser Titel von Irving Berlin komponiert wurde, der, aus verarmter jüdischer Einwandererfamilie stammend, sich schon als Schulkind in New York seinen Lebensunterhalt selbst verdiente und sich in den Bars der Stadt das Klavierspielen selbst beibrachte. Wie dieses Lied waren einige von Veldink interpretierten Titel eher für Bassstimmen ausgelegt, so auch „What a Wonderful World“ oder Leonard Cohens „Hallelujah“. Bei „When you believe“ war Veldink mit seiner Tenorstimme dann wieder ganz in seinem angestammten Element.

Quasi als Weihnachtsgeschichte in das Abendprogramm eingebaut wurde die Schilderung von Friedel Oelerink, die von ihrer Verehrung von Astrid Lindgren nicht nur als Kinderbuchautorin, sondern auch als Gegnerin der Prügelstrafe für Kinder sprach, eine Position, mit der Lindgren noch bei manchen aneckte, als sie 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt. Oelerinks eindringlichem Vortrag schloss sich dann eine lange, stimmungsmäßig mäandernde instrumentale Darbietung von „Dona Nobis Pacem“ an, die wohl als sinnbildlich angesehen werden mag für den meist äußerst langwierigen Weg zu einem gelungenen Frieden in der Welt.

Mehrere Möglichkeiten zum Mitsingen boten sich den Zuschauern auch, so stimmte das Publikum lauthals „Tochter Zion“, „O du fröhliche“ und schließlich „Stille Nacht, Heilige Nacht“ an, dessen Erstaufführung sich übrigens in diesem Jahr zum 200. Mal jährte. Zum Schluss dankte man Frau Hoogland wie zuvor vielen anderen für ihr unermüdliches Engagement, das gelungene Ereignisse wie dieses erst möglich mache.

Grafschafter Nachrichten – 27.12.2018

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