Musikverein Uelsen begeistert in Emlichheim

Musikverein Uelsen begeistert in Emlichheim

Neben den weihnachtlichen Klängen gab es auch Lieder, die nachdenklich stimmten. Tenor Tobias Klomp setzte deutliche Akzente. Zwei märchenhafte Geschichten las außerdem die Neuenhauser Erzählerin Heike Koschnicke vor.

Von Marcus Pfeifer

Emlichheim. Das Weihnachtsfest kann kommen. Vor einer treuen Fangemeinde von gut 800 Zuschauern spielte die Big Band des Musikvereins Uelsen unter der Leitung von Helga Hoogland am Sonnabend zu ihrem alljährlichen traditionellen Weihnachtskonzert auf. Als Veranstaltungsort hatte man wieder einmal die Altreformierte Kirche in Emlichheim gewählt, unter dessen verhalten in Pink erstrahlendem Lichtdom sich der Zuschauer in einer Zeit, in der so mancher sich eher von Weihnachtsstress geplagt fühlt, in eine beschauliche Festtagstimmung versetzen lassen konnte. Neben der Big Band selbst traten der Tenor Tobias Klomp unter Begleitung des Pianisten Lukas Saalfrank sowie die Märchenerzählerin Heike Koschnicke auf.

Die Vorbereitung war zwar nur kurz, dennoch war das Arragement genau einstudiert und gelungen zusammengestellt. Auf ganz unterschiedliche Art widmete sich die etwa 70-köpfige Big Band dem Thema Weihnacht, einer zumindest in der Fantasie existierenden verzauberten Winterwunderwelt oder was stimmungsmäßig ansonsten gut in das abwechslungsreiche Programm passte.

Dass eine Big Band wie diese nicht nur die allerbesinnlichsten und zartesten Töne anstimmen kann, versteht sich von selbst. So endete der Auftakt der Veranstaltung, die Präsentation des beschwingten Stücks „Zeichen der Liebe“ aus der Feder des Disney-Komponisten Alan Menken, bereits mit einem fanfarenartigen Schlussakzent. Dezidiert weihnachtlichen Sujets widmete sich der Verein etwa mit Titeln wie „Stern von Bethlehem“, „What child is this?“, einem modernen Arrangement des Bachschen Chorals „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ oder „Tochter Zion“, bei dem traditionell das Publikum mitzusingen aufgefordert wurde und dies auch lautstark tat.

Von einer winterlichen Weihnacht konnte man bei einem Titel aus der „Eiskönigin“ träumen. Keinerlei Schaden nahm auch die Atmosphäre, als man etwa eine besonders sinnlich swingende instrumentelle Interpretation des Beatles-Klassikers „Something“ oder ein Stück aus Walt Disney’s „Bambi II“ anstimmte.

Deutliche Akzente im abendlichen Programm setzte des Weiteren der Tenor Tobias Klomp – am Klavier begleitet von seinem Kommilitonen Lukas Saalfrank – mit etwa einem halben Dutzend Titeln, die sich auf ihre Art ganz unterschiedlich mit dem Thema des Abends auseinandersetzten. So stimmte er mit einer geradezu heldentenorartigen Stimme die klassischen englischen Weihnachtslieder „Oh Holy Night“ und „Hark the Herald Angels Sing“ sowie „Amazing Grace“ an, eines der weltweit wohl bekanntesten geistlichen Lieder in englischer Sprache.

Mit deutlicher zynischer Ironie verulkte ein anderes Lied den ganzen Trubel um das Weihnachtsfest, zählte anschaulich alle damit verbundenen Stressmomente auf, sodass von Besinnlichkeit eigentlich erst wieder nach Ende des Weihnachtsfestes zu sprechen sei. Noch deutlich kritischer war die Botschaft des nicht nur auf die Weihnachtszeit bezogenen Songs „Die unstillbare Gier“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“ zu verstehen, in dem auch im Rückgriff auf die Geschichte die Habsucht eindrucksvoll als eine für die gesamte menschliche Zivilisation katastrophale Untugend gebrandmarkt wird, die letztlich die Welt in einen Abgrund führen könne.

Mit zwei zum Nachdenken anregenden märchenhaften Geschichten rundete die Neuenhauser Geschichtenerzählerin Heike Koschnicke das abendliche Programm ab. Die eine handelte von der uralten Eva, wie sie selbst an der Krippe Jesu erscheint, die andere von einem gewitzten Juden, der von einem ständig anonym bei ihm erscheinenden König drangsaliert wird, indem letzterer den Juden immer wieder dazu zwingt, seinen Beruf zu wechseln. Mit Dankesworten an die Solisten, auch an den Hauspianisten des Vereins Gabor Klink Spekker, und natürlich an die unermüdlich wirkende Leiterin des Musikvereins Helga Hoogland endete die Show dann nach gut zwei Stunden, allerdings nicht ohne die eine oder andere Zugabe und natürlich das obligatorische, gemeinsam mit dem Publikum angestimmte Weihnachtslied „O du fröhliche“.

Grafschafter Nachrichten – 19.12.2016

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